Aarg. Kantonaler Schwingerverband
 
Datenkalender 2020

  Datenkalender

Partner



Aarg. Kantonalschwingfest 2021


NEWS
Dieser «Stallgeruch» fehlt mir!
05.07.2020, PA

Daniel Dreier amtete weit mehr als 30 Jahre für den Schwingsport. Am18 Januar 2020 übergab er sein Amt des NWSV Präsidenten an Michael Sarner.

Seine Geschichte begann 1970 als er als Aktivmitglied im SK Aarau aufgenommen wurde. 1988 wurde er in den Vorstand gewählt. Im gleichen Jahr in den Kantonalvorstand. Ab 1991 amtierte er als Präsident während zehn Jahren. Von 1992 bis 2020 war er im NWS Vorstand, davon 18 Jahre als Präsident. Mit der Wahl 2002 als Präsident des NWSV wurde er Mitglied des ESV Zentralvorstandes


Wie kommt Dir die Zeit seid dem Rücktritt vom Schwingsports vor?

Eigentlich sehr ruhig und gelassen. Da auch Corona bedingt keine Schwingfeste durchgeführt werden können. Ist aber auch mal gut auszuspannen um sich auch anderen interessanten Freizeitaktivitäten widmen zu können.


Konntest du das Schwingen gut loslassen nach der langen Zeit?

Ja. Ich bin kein Mann der dem neuen Vorstand im Verbandsgeschäft drein redet. Die neuen Kräfte werden sich beweisen müssen mit aktiven Taten, wie ich dies dannzumal auch erleben musste. Viele Sachen, die vielleicht im Moment noch nicht rund laufen, werden ihren Lauf nehmen und zum «Guten» gelangen. Schlussendlich soll das Schwingen bleiben wie bisher. Wenn meine Hilfe oder Rat benötigt wird, kann sich der Vorstand gerne an mich wenden und ich werde sie voll und ganz unterstützen.


Was war dein schönster Moment der du erlebt hast?
Welche Periode war für dich die schönste während Deiner Tätigkeit?


Es gab sehr viele schöne Momente in meiner langen Funktionärslaufbahn. Ich durfte in all den Jahren sehr viele Leute kennen und schätzen lernen. Ob in verschiedenen OK’s oder auch in Vorständen und Kommissionen. Ganz besonders lag mir immer die Techn. Kommission Jungschwingen am Herzen. Die wichtige Arbeit in diesen Kommissionen bedeutet das Überleben unseres schönen Brauchtums und den Erfolg in Zukunft.

Eine sehr eindrückliche Zeit erlebte ich als OK Präsident des Benefiz Schwinget zu Gunsten des verunfallten Daniel Rytz 1997. Die Solidarität die uns von sehr vielen Leuten rund um den Schwingsport geschenkt wurde, war wohl einmalig und bleibt unvergessen.
Noch intensiver war die Zeit rund um das ESAF 2007 in Aarau. Im engeren OK waren mit mir nur drei Schwinger vertreten. Unzählige Sitzungen in allen Abteilungen wurden nötig um den «Nichtschwingern im OK» überhaupt zu erklären was das Schwingervolk will und wie ein Schwingfest überhaupt organisiert werden muss. Dies gelang dann aber sehr gut.

Ebenso bleibt mir natürlich das letzte NWSV Schwingfest 2019 in Wittnau in bester und schönster Erinnerung, als am Festakt alle Zuschauerinnen und Zuschauer sich erhoben um mich gebührend mit Applaus zu würdigen und zu verabschieden. Ein sehr eindrücklicher Moment der Tränen in meinen Augen bedeutete und mir auch die Gewissheit gab, dass ich wohl Einiges «richtig» gemacht habe für unseren Verband und dem Schwingsport gegenüber.


Gab es auch Enttäuschungen?

Die grösste Enttäuschung für mich war der verbale Übergriff zweier Spitzenschwinger an der NWSV Delegiertenversammlung 2011 gegenüber unserem Techn. Leiter während seines Jahresberichtes. Ich war über dieses Verhalten derart schockiert und wie gelähmt und ich verzeihe es mir selber bis zum heuteigen Tage nicht, warum ich nicht sofort eingeschritten bin um die Fehlbaren in die Schranken zu weisen. Schlussendlich arbeiten alle Vorstandsmitglieder auf allen Stufen im Nebenamt und wir dürfen sehr froh sein, wenn sich Funktionäre wie beispielsweise der Techn. Leiter mit sehr grossem Engagement für «seine» Schwinger einsetzt.


Hattest du Ziele Vorstellungen, die nicht eingetroffen sind?

Unser Team hatte sich für das eidg. Jahr 2019 sehr gut vorbereitet und auch die Resultate unserer Schwinger während der laufenden Saison versprachen sehr viel Positives. Die hochgesteckten Zielsetzungen für das ESAF gingen für unseren Teilverband leider nicht auf. Unser Leader Nick Alpiger verletzte sich im 2. Gang derart, dass er nach dem Sieg über Samuel Giger den Wettkampf leider beenden musste. Dies war für das ganze Team ein herber Schlag der zuerst verdaut werden musste. Am Sonntagabend freute es mich hingegen umso mehr, dass zwei » junge Wilde mit Andreas Döbeli und Joel Strebel« ihren ersten Eidg. Kranz erkämpft hatten und obendrauf auch «Räbi» zum zweiten Mal sich seinen Eidg. Kranz sichern konnte.


Du hast viele Obmänner erlebt?
Kannst du einer hervorheben oder Anekdoten erzählen, die Dir geblieben sind?

Ich durfte tatsächlich mit vier Obmännern zusammenarbeiten.
2002 – 2008 mit Hans Pauli, Oftringen. Da amtete ich als Kassier des ESV. Da wir nahe beieinander wohnten, fuhren wir auch immer zusammen an alle ZV Sitzungen in der ganzen Schweiz, ich immer als «Chauffeur». Die Sitzungen dauerten des öfteren bis spät in die Nacht und Hans nickte regelmässig ein, was für mich jedoch ein Zeichen seiner Vertrautheit war. Er war ein stiller und grosser «Chrampfer» mit ausserordentlichen Fachkenntnissen, der sehr Vieles dem Schwingsport als Spitzenfunktionär zurück gab. Leider verstarb mein Weggefährte vor kurzer Zeit.
2008 -2012 dann mit Ernst Schläpfer, Neuhausen. Hier hatte ich die Aufgaben des 1. Sekretärs zu bewältigen. Während dieser Periode wurde die Geschäftsstelle durch die Abgeordnetenversammlung bewilligt. Ernst war ein hervorragender Stratege mit enormen Kenntnissen über den gesamten Schwingsport. Leider trat er aus persönlichen Gründen als Obmann zurück und so kam es zu einer Kampfwahl an der AV 2012 in Aigle. Als Stellvertreter des Obmannes liess ich mich davon überzeugen hier als Kandidat anzutreten gegen Mario John, den Präsidenten und Vertreter des NOSV. Einige wenige Stimmen fehlten und so blieb das Amt in Ostschweizer Händen.
2012 – 2014 mit Mario John, Chur. Mario war sehr loyal und präsidierte den Zentralvorstand geschickt und gekonnt. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis untereinander.
2014 – 2020 mit Paul Vogel, Ruswil. Der ZV raufte sich in neuer Besetzung zueinander. Das neue Organigramm entstand. Erstmals in der Geschichte des ESV überhaupt, wurde ein offizieller Besuch durch Mitglieder des Zentralvorstandes in den USA bei zwei Schweizer Klubs wahrgenommen. Wir reisten im Jahr 2018 nach San Franzisco und besuchten auch zwei Schwingfeste. Die ausgewanderten Schweizerfamilien, welche sich in Schweizer Klubs regelmässig treffen um unsere Kultur in allen Belangen zu zelebrieren, waren tief beeindruckt und es wurde lange gefeiert. Der Zusammenhalt im ZV war in dieser Besetzung sehr tiefgründig, denn wir verstehen uns auch im privaten Umfeld sehr gut.


Es waren unzählige Sitzungen, an die du Teilnehmen musstest während deiner Amtszeit, geniesst du freien Abenden?

Natürlich. Man stellt sich vor: Pro Woche weilte ich im Schnitt 2-3 Abende an Schwingersitzungen, nebst geschäftlichen Anlässen. Mit zunehmendem Alter (Jahrgang 1955) «hängt» es nochmals zusätzlich an und somit bin ich nun entlastet um mich neuen Dingen zuzuwenden, die jahrelang weggelegt wurden und nun aktiviert werden können.


Seid dem 16. März steht das Schwingen still, somit sind die Wochenenden auch noch frei.
Vermisst du den Schwingbetrieb?

Es ist wirklich fast unheimlich ruhig da ich in den letzten 30 Jahren als Funktionär pro Jahr doch 15-20 Sonntage für Schwingfeste unterwegs war. Dieser «Stallgeruch» fehlt mir natürlich schon und ich freue mich ganz besonders, wenn dann wieder Schwingfeste durchgeführt werden können.


Hast du Dir andere Aktivitäten zugelegt?

Ja. Reisen hat mich schon immer fasziniert, aber die Zeit dazu fehlte total. Mit dem eigenen Wohnmobil werden ich sicherlich vermehrt zusammen mit meiner Partnerin andere Länder bereisen oder auch abwechselnd in die Berge fahren um Wanderungen zu machen und die Natur zu geniessen. Natürlich dürfen da Schwingfestbesuche nicht fehlen um auch die Kameradschaft zu leben.


Danke für die Zeit die du dem Schwingsport gegeben hast!
Wir wünschen Dir weiterhin alles Gute und freuen uns Dich als Zuschauer auf den Schwingplätzen zu sehen.